by Ludger on 07 Oct 2005 14:08
STUCKART, WILHELM
Dr. jur.
SS-Ogruf.; Staatssekretär im RMdI; RM des Inneren (Regierung Dönitz)
geb.: 16.11.1902 (Wiesbaden)
gest.: 15.11.1953 (bei Hannover)
NSDAP-Nr.: 378 144
SS-Nr.: 280 042
Angeklagter im Prozeß United States of America vs. Ernst von Weizsäcker et al. (The Ministries-Case) vor dem US-Militärtribunal IV
Vater: Bahnangestellter Georg Stuckart.
Mutter: Franziska Stuckart.
1919 – 1922 Führer der Jugendgruppe der DNVP in Wiesbaden.
1922 Abitur am Realgymnasium in Wiesbaden.
1922 – 1923 Studium der Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft an den Universitäten München und Frankfurt/M.
Während der Zeit Angehöriger des Freikorps Epp (München).
Dez. 1922 Mitglied der NSDAP und Teilnahme am Hitler-Putsch.
1923 aktive Beteiligung am Widerstand in den französisch besetzten Gebieten. Daraufhin zweimalige Verhaftung durch die Franzosen wegen oppositioneller Tätigkeiten. Dadurch Verlust der Parteimitgliedschaft.
1923 – 1924 Bankangestellter in der Nassauischen Landesbank in Frankfurt/M.
1924 – 1926 Fortsetzung des Studiums an der Universität Frankfurt/M.
29.10.1926 1. juristische Staatsprüfung (Referendarexamen) mit "gut".
1926 – 1931 Rechtsberater der NSDAP für die Ortsgruppe Wiesbaden.
27.06.1928 Promotion zum Dr. jur. "magna cum laude".
1930 Staatsexamen.
Aug. 1930 Wiedereintritt in die NSDAP.
15.11.1930 2. juristische (große) Staatsprüfung (Assessor-Examen) mit "gut".
01.12.1930 Wiedereintritt in die NSDAP.
09.12.1930 – 15.02.1932 Richter am Amtsgericht Rüdesheim/Rh.
09.03.1931 – 04.02.1932 Prozessrichter am Amts- und Landgericht in Wiesbaden.
05.02.1932 Entlassung aus dem Staatsdienst infolge dauernder Konflikte mit seinen Vorgesetzten aufgrund seiner Parteitätigkeit.
1932 – 1933 Rechtsberater der SS und der SA in Pommern als Leiter der Rechtsstelle des Gaues Pommern und Rechtsreferent der Untergruppe Pommern-West der SA sowie Leiter der „Lügenabwehrstelle“ des Gaues Pommern und Gauobmann des BNSDJ im Gau Pommern.
06.02.1932 - 03.04.1933 Rechtsanwalt in Stettin.
15.03.1932 Eintritt in die SA (Stettin).
26.08.1932 Heirat mit Lotte Köhle in Lutzig (Pommern).
12.03.1933 Mitglied des Pommerschen Provinziallandtages.
04.04. – 15.05.1933 kommissarischer Erster Bürgermeister und Staatskommissar in Stettin.
15.05. – 29.06.1933 kommissarischer Ministerialdirektor im Preußischen Kultusministerium.
15.05.1933 - 03.07.1934 Leiter der Schulabteilung im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.
30.06.1933 - 14.11.1934 Staatssekretär im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.
15.09.1933 Preußischer Staatsrat.
16.12.1933 Antrag auf Aufnahme in die SS.
10.07.1934 - 14.11.1934 Staatssekretär im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
17.07.1934 Mitglied im Pommerschen Provinziallandtag.
01.02. - 31.03.1935 Oberlandesgerichtspräsident in Darmstadt.
01.04.1935 Ministerialdirektor.
01.04.1935 – Mai 1945 Leiter der Abteilung I (Verfassung, Verwaltung und Gesetzgebung) des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Innern, zugleich Leiter der ”Zentralstelle für das Erfassungswesen” beim Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern.
00.00.1935 - 23.05.1945 Staatssekretär für Verwaltung und Verteidigung im Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern und Reichsfachgruppenleiter der Fachgruppe Verwaltungsjuristen im BNSDJ.
08.02.1936 ordentliches Mitglied des „Reichsausschusses zum Schutze des deutschen Blutes“.
März 1936 Vorsitzender des „Reichsausschusses zum Schutze des deutschen Blutes“.
02.09.1936 Vorsitzender des Ausschusses für Verwaltungsrecht der Akademie für Deutsches Recht.
13.09.1936 Übertritt von der SA zur Allgemeinen-SS und SS-Staf.
Im gleichen Jahr Mitglied des SD.
11.10.1936 Mitglied des Ausschusses für Polizeirecht der Akademie für Deutsches Recht.
30.01.1937 SS-Oberf.
01.04.1937 Präsident der Deutschen Sektion des Internationalen Instituts für Verwaltungswissenschaften (Brüssel).
24.03.1938 Leiter der "Zentralstelle zur Durchführung der Wiedervereinigung von Österreich mit dem Reich" RMdI.
01.10.1938 Leiter der "Zentralstelle für die Überleitung der sudetendeutschen Gebiete" im RMdI.
30.01.1939 SS-Brif.
22.03.1939 Leiter der "Zentralstelle zur Durchführung des Erlasses für das Protektorat Böhmen und Mähren" im RMdI.
05.09.1939 - 20.08.1943 Beauftragter und Stabsleiter des Generalbevollmächtigten für die Reichsverwaltung (FRICK).
07.12.1939 Ernennung zum Mitglied des Generalrats für den Vierjahresplan durch GÖRING.
1940 an den Vorbereitungen beteiligt, deutschen Juden die Staatsbürgerschaft zu entziehen.
09.08.1940 Leiter der "Zentralstelle für Elsaß-Lothringen" im RMdI.
Aug. 1941 Teilnehmer einer Konferenz über die Germanisierung von Teilen der UdSSR.
12.12.1941 Leiter der "Zentralstelle für Norwegen" im RMdI.
22.04.1941 Leiter der "Zentralstelle für die besetzten Südost-Gebiete" im RMdI.
20.01.1942 Teilnahme an der Wannsee-Konferenz, in deren Verlauf Stuckart der "Endlösung der Judenfrage" zustimmte und die Zwangssterilisierung aller "Nicht-Arier" sowie die Auflösung aller Mischehen vorschlug.
30.01.1942 SS-Gruf.
26.02.1942 Präsidialmitglied des Reichsforschungsrates.
1943 Staatssekretär im RMdI.
Apr. 1943 Leiter einer Staatssekretär-Konferenz über die "Ahndung strafbarer Handlungen von Juden durch die Polizei".
25.08.1943 - 23.05.1945 Vertreter des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern und Generalbevollmächtigten für die Reichsverwaltung.
30.01.1944 SS-Ogruf.
05.05.1945 - 23.05.1945 beauftragt mit der Führung der Geschäfte des Reichsinnen- und Kultusministers in der Regierung DÖNITZ.
23.05.1945 Verhaftung.
15.11.1947 - 11.04.1949 Angeklagter im ”Wilhelmstraßen-Prozess”.
weitere Ämter
· Vorsitzender der Kommission zum Schutze des Deutschen Blutes
Mitgliedschaften
· BNSDJ
· KfDK
· Verein Lebensborn
Auszeichnungen
· 30.01.1939: Goldenes Ehrenzeichen der NSDAP
· 30.01.1941: Kriegsverdienstkreuz I. Klasse ohne Schwerter
· Mai 1942: Großoffizierskreuz des Ordens des Sterns von Rumänien
· Ehrendegen RFSS
Veröffentlichungen
· 1934: Geschichte im Geschichtsunterricht
· 1936: Kommentare zur deutschen Rassengesetzgebung
· 1938: Rassen- und Erbpflege in der Gesetzgebung des Dritten Reiches (Co-Autor)
· 1938: Partei und Staat (Co-Autor: Gottfried Neesse),
· 1939: Verwaltungsrecht
· 1939: Rassen- und Erbpflege in der Gesetzgebung des Dritten Reiches (Co-Autor: Rolf Schiedermair),
· 1941: Neues Staatsrecht I. Der neue Staatsaufbau (Co-Autor: Rolf Schiedermair),
· 1941: Führung und Verwaltung im Kriege
Anklagepunkte: A, V, M, P, S, O
Schuldig nach: M, P, O
Strafmaß: verbüßte Strafzeit
Verteidiger :Dr. Fritz Sauter (bis 18.12.1947), Dr. Robert Servatius (30.12.1947 - 30.12.1948), Dr. Hans v. Zwehl (ab 04.01.1948), Curt v. Stakelberg (ab 08.03.1948)
Assistent(en): Adolf Klaas, Ludwig Losacker (ab 09.03.1948), Karl Storz (ab 14.04.1948), Dr. Hermann Orth (ab 15.04.1948)
Nach Prozessende:
Nach der Haftentlassung Stadtkämmerer in Helmstedt.
Später als Geschäftsführer des Instituts zur Förderung der Niedersächsischen Wirtschaft des Zentralkuratoriums zur Förderung der Freien Marktwirtschaft.
1949 Mitglied im "Bunde der Heimatvertriebenen und Entrechteten" (BHE).
23.10.1951 3. Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen des BHE.
Aug. 1952 von einer Westberliner Spruchkammer als Mitläufer eingestuft und zu 50.000 DM Strafe und Sühnemaßnahmen, über 3 Jahre verteilt, verurteilt.
15.11.1953 tödlicher Autounfall bei Hannover.
Noch 1947 leugnet Stuckart die Teilnahme an der Wannsee-Konferenz. Während des Prozesses konnte ihm nicht widerlegt werden, er habe von dem Vernichtungsprogramm gegen die Juden nichts gewußt.
Greetings from
Ludger