A late-war 'Catch Me If You Can'

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Ken S.
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A late-war 'Catch Me If You Can'

Post by Ken S. » 20 Feb 2019 20:22

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Gerichtshalle.

Mannheim, 8. Nov. Ein volles Halbjahr hat der Maurer K a r l G r o b s aus Odenheim die Heidelberger und Mannheimer Gegend unsicher gemacht. Um seinen Namen schlingt sich schon ein ganzes Sagengewebe, aber viele seiner Streiche stehen in den Gerichtsakten. In der Uniform eines Sergeanten mit dem Eisernen Kreuz und der Verdienstmedaille auftretend, trieb er sich herum, sein Leben durch Einbrüche und Schwindeleien fristend. Wegen unerlaubter Entfernung im Felde war er zu 1 ½ Jahren Gefängnis verurteilt worden, aber aus der Festung Wesel wegen schlechter Behandlung ausgebrochen. Er wurde wieder ergriffen und nach Danzig gebracht, wo er wieder ausbrach. Seine Gefängnistracht mit einem Mantel bedeckend mischte er sich unter e i n e n T r a n s p o r t bayerischen Militärs, das von Osten nach Westen ging und kam so in die Nähe seiner Heimat, nach Durlach. In Durlach schlich er sich in eine Kaserne ein, als gerade Rekruten neu eingekleidet wurden. So kam er zu einer neuen Uniform, auf welche ihm ein gutmütiger Schneider Tressen nähte, ohne Bezahlung zu verlangen. Zum Danke dafür brach Grobs die Nacht darauf bei ihm ein und stahl ihm verschiedene Kleider. Als angeblicher Feldgendarm revidierte Grobs hierauf Güter, auf denen Reklamierte und Kriegsgefangene beschäftigt waren, um Gelegenheit zu Diebereien auszukundschaften. Einer der Gutsbesitzer äußerte Verdacht wegen eines Jägers vom Heidelberger Bataillon, weil dessen Papiere nicht in Ordnung waren. Grobs erklärte den Mann für verhaftet, erfuhr von ihm, daß er fahnenflüchtig sei, und veranlaßte ihn dann, bei dem Gutsbesitzer Kleider zu stehlen. Als den Beiden in Mannheim die Polizei über den Weg kam, flüsterte Grobs einem Schutzmann zu, sein Begleiter sei der vielgesuchte Grobs. Der Jäger flüchtete, wurde aber eingeholt, während Grobs entkam. Er beging weiterhin zahlreiche Einbrüche, Heirats- und Darlehensschwindeleien. In Schwetzingen besuchte er Familien, die Sohne im Felde haben, stellte sich als deren Feldwebel hin und ließ sich Geld und Lebensmittel für diese mitgeben. Wenn man ihn festgenommen hatte, gewann er bald die Freiheit wieder. Aus dem Festungsgefängnis Danzig entwich et zweimal. Im Gefängnis in Heidelberg durchbrach er mit einein Mitgefangenen e i n e 1 m d i ck e M a u e r. Als Werkzeug diente ihnen ein eiserner Löffel und eine Ofenstange. Die Anklage gegen ihn stellt dafür eine Rechnung an Gebäudeschaden von über 200 Mark auf. Als er vor einigen Monaten nachts in Mannheim von Schutzleuten angehalten wurde, lieferte er ihnen ein lebhaftes Feuergefecht und entkam, wurde aber am anderen Tage im Waldpark, wohin er sich mit einem Mädchen zukückgezogen hatte, im Schlafe überrascht und in Haft gesetzt. Heute wurde vor der S t r a f k a m m e r wegen der Anklagepunkte, die auf die badische Pfalz entfallen, gegen ihn verhandelt. Es war nur ein Bruchteil dessen, was wirklich auf sein Konto fällt. Er erklärte, daß er als Fahnenflüichtiger keine andere Wahl gehabt habe, als zu stehlen und bat, ihn nicht ins Zuchthaus zu schicken. Das Urteil lautete auf eine Gesamtstrafe von 7 J a h r e n G e f ä n g n i s.
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