Kriegslazarett 4/637 in Minsk (1941–1942)

Discussions on all (non-biographical) aspects of the Freikorps, Reichswehr, Austrian Bundesheer, Heer, Waffen-SS, Volkssturm and Fallschirmjäger and the other Luftwaffe ground forces. Hosted by Christoph Awender.
linamonsen
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Kriegslazarett 4/637 in Minsk (1941–1942)

Post by linamonsen » 03 Jun 2015 13:51

I am interested in any information relating to Kriegslazarett 4/637 (part of Sanitätsdienst Heer), a huge military hospital which reached a capacity of around 1,000 beds, which was operational in Minsk from 1941 to 1942, and which was then relocated to Crimea as far as I understand. Its history, organisation, leadership and personnel. In Minsk it was located in the House of the Red Army (later known as the Army Palace, Officers' House) (pictures here: http://commons.wikimedia.org/wiki/Categ ... ace,_Minsk ).

I've only found it mentioned in two books, most notably in Heinz Rosenberg's book The Years of Horror: An Authentic Report (1985). He writes (in the German edition of the book)
Im März kam die Kommission des Militärlazaretts 4/637 und suchte 30 junge Männer und Mädchen aus für die Arbeiten im Lazarett. Meine Schwester und ich mußten auch mit, wir packten unsere Koffer und nahmen Abschied, denn ob man sich wiedersehen würde, war fraglich. Alle waren traurig, weil schon viele solche »ausgesuchten« Kolonnen restlos verschwunden waren - doch sollten wir mehr Glück haben, als wir dachten. Schon im Getto sagte uns der anfordernde Offizier, daß wir keine Angst haben sollten, es würde uns bestimmt nichts passieren - aber wer glaubte noch einem deutschen Wehrmachtsangehörigen?

Das Lazarett war im »Haus der Roten Armee« - einem ehemaligen Soldatenheim der Russen - eingerichtet worden. Das war ein gewaltiger Bau, der aus drei großen Flügeln bestand: In dem Mittelbau waren Restaurants, Lese-, Spiel- und Aufenthaltshallen, in dem anderen Flügel ein modernes Theater mit 30 kleinen Wohnräumen für die Künstler, im dritten endlich ein Schwimmbad, Turnhallen und ein Kino. Der Mittelbau war für die Unterkünfte der Soldaten umgebaut worden, große Krankensäle, Operationsräume und so weiter waren entstanden. Das Theater war in ein »Soldatenkino« verwandelt worden, und in die kleinen Zimmer dieses Baus wurden wir einquartiert. In den Räumen wurden dreistöckige Militärbetten aufgestellt, die mit Strohsäcken und Wolldecken ausgerüstet waren, je sechs beziehungsweise neun Personen erhielten einen solchen Raum, außerdem erhielten wir auch einen großen Gemeinschaftsraum, wo wir aßen und uns in den Freistunden aufhalten durften. Wir waren natürlich über diese Behandlung erstaunt, und als wir noch einen ebenso netten wie anständigen Feldwebel als »Aufseher« zugeteilt bekamen und die Soldaten uns weder schlugen noch anpöbelten, dachten wir, im Traumland zu sein. Der Unteroffizier Köhler, dem unsere Gruppe unterstand, der Lazarettkommandant und die Stabsärzte bemühte sich ebenso wie um die kranken Soldaten, fair zu uns zu sein. Solche Humanität bei Deutschen im Jahre 1942 erschien uns nach dem, was wir erlebt hatten wie ein Wunder.

Die Männer wurden nun zu Arbeiten auf dem Hof und beim Holzabladen eingeteilt, die Frauen mußten die Säle sowie Toiletten reinigen, einige arbeiteten sogar bei der Verpflegung und in der Küche. Sauberkeit wurde groß geschrieben, und Essen bekamen wir genug: 500 g Brot, 5 g Fett, etwas Marmelade und zweimal am Tag einen Liter dicke Suppe. Außerdem bekamen besonders unsere Mädchen noch manche Süßigkeit und Zigaretten von den Soldaten zugesteckt. Nach drei Wochen kam auch Erika bei der Anforderung neuer Arbeitskräfte mit ins Lazarett. Wir waren sehr glücklich, entging sie doch so auch für eine Weile den Gefahren des Gettos. Viele von meinen Freunden waren auch im gleichen Kommando. Hermann Hauptmann, Kurt Berlin, Edgar Francke, die Brüder Menke, Kurt Rosebaum und seine Frau, Fritz Obermeyer und noch andere. Wir alle erholten uns ein wenig von dem bösen Winter und der schlechten Ernährung. Ich wurde bald, wegen meiner körperlichen Kräfte, als Hilfsheizer eingeteilt. Wir hatten keine Kohle, sondern mußten den ganzen Komplex mit Holz und Torfmoos heizen. Das war eine harte Arbeit, weil das Torfmoos so rasch 
[...]
und es sehr anstrengend war, damit das ganze Hospital warm zu halten. Hermann, Kurt und Edgar arbeiteten als Elektriker. Fritz war mein Boß in der Heizungsanlage; er war Schiffsingenieur gewesen. Wir arbeiteten von acht bis acht Uhr, entweder am Tage oder in der Nacht. Jeden Sonntag durften wir für einige Stunden ins Getto gehen - jedoch war es strengstens verboten, irgendwelche Eßwaren mitzunehmen, da bei einer eventuellen Kontrolle seitens der SS das Lazarett wegen »Verschiebung der Lebensmittel« verantwortlich gemacht worden wäre, und vor der SS hatten sogar die Soldaten Angst. Trotzdem schmuggelten wir soviel wie möglich bei jedem Besuch, denn alle wollten ihren hungernden Angehörigen wenigstens etwas mitbringen. Es war eine große Freude wenn am Sonntag alle vereint waren, aber groß war auch der Schmerz, wenn man hörte, daß der eine oder der andere nicht mehr am Leben war. Jeder Abschied war von dieser Sorge überschattet. Leider war es mit dieser guten Zeit nur zu schnell zu Ende. Im Juni 1942 wurde das Lazarett auf die Krim verlegt. Der Plan, zehn junge Männer von uns als »ständige Hilfskolonne« mitzunehmen, wurde von der SS nicht genehmigt. So brachte man uns alle in das Getto zurück - der Traum war aus.
"Lazarett 4/637", in Heinz Rosenberg: Jahre des Schreckens. "…und ich blieb übrig, daß ich Dir’s ansage" (pp. 40–41), Steidl, Göttingen, 1985, ISBN 3-88243-238-1

It is also mentioned more briefly here http://books.google.com/books?id=2pf6RadkSs4C&pg=PA175

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